Was macht der Robbergwinzer nach der Lese?

Das Gartenjahr ist nach der Lese für die Hobbywinzer weitgehend abgeschlossen. Der Weinberg wird aufgeräumt. Wenn die Sonne im November es gut meint, dann wird die letzte Wärme genossen und die Aufräumarbeit auf später verschoben. Im Winter ist die wichtigste Arbeit der Rebschnitt. Wenn das letzte Weinblatt gefallen ist, kann begonnen werden. Der Rebschnitt erfolgt in der Regel zwischen Dezember und Februar. „Wenn das letzte Blatt gefallen ist“ bedeutet für die Rebe, die Nährstoffe und Mineralien aus den Blättern sind in die Wurzel zurückgewandert. Dieser Vorgang gilt auch für Obstbäume und –büsche. Bei der Rebe muss man besonders vorsichtig sein. Die Wachstumsleistung, die im Mai einsetzt, ist explosionsartig. Die Rebe wird gestresst, sie muss auf einmal viele Nährstoffe an die Blätter und Blüten liefern.

Im März/April werden die Augen größer. Im April öffnen sich dann die Knospen. Deshalb muss bis Ende Februar fertig geschnitten sein. Später läuft der Saft aus den Schnittstellen. Die Rebe würde geschwächt.

In meinem Weinberg ist der Rebschnitt im Dezember, wenn das Wetter gut ist, geplant. Wenn ein weininteressierter Robbergfreund/in zuschauen will, bitte bei mir per Mail melden.

Und was macht der Robbergwinzer sonst so im Winter?

Natürlich gibt es im Weinkeller einiges zu tun. Jetzt Ende November ist der Jungwein fertig. Er schmeckt natürlich noch etwas nach Hefe und ist noch nicht ganz klar. Ich lasse den Wein durch mehrmaliges Abziehen von selbst klar werden. Meist sind alle Weine bis Jahresende gut klar.

Die verantwortungsvollste Arbeit im Weinkeller ist das Probieren des Jungweins. Da kommen sachkundige Weintrinker zu mir in den Keller. Es wird jedes Fass auf Herz und Nieren geprüft. Auch mit dem Vorjahreswein der Sorten wird gegengetrunken. Alles wird im Kellerbuch penibel dokumentiert. Nase, Zunge und Abgang werden erkundet. Auch auf das Entwicklungspotential des Weins wird spekuliert.

Folgende Fässer müssen durchprobiert werden: Johanniter, Regent, Amerikaner rot, vom Nachbarweinberg dazu noch Traminer früh, Traminer spät und Rotwein und Weißwein unbekannter Sorten. Zusammen sind es ca. 230 Liter. Jetzt im November 2020 ist die Qualität vielversprechend. Nur der Regent ist nicht gut gelungen. Der hatte in der Nase einen Fehlton. Mit zweimaliger Behandlung mit Aktivkohle war der Geruch in Ordnung. Jedoch hat die Aktivkohle auch viel Aroma genommen. Ab Dezember gibt es nicht mehr viel Arbeit im Weinkeller. Abgefüllt wird im Frühsommer.

Rolf Apell, Arbeitsgemeinschaft Weinbau

rapell@robbergfreunde.de