Die Rebleute und der Weinbau

Über die Anfänge des Weinbaus in Ettlingen kann hier nur gemutmaßt werden. Sicher ist, daß in dieser Region schon die Kelten siedelten, die dann im 1. Jahrhundert n. Chr. von den Römern vertrieben wurden. In dem günstigen Klima der Rheinebene ließ die Anpflanzung der ersten Reben nicht lange auf sich warten. Im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. ging daraus eine Alemannensiedlung hervor, die den Weinbau weiter kultivierte. Zur Zeit Otto des Großen (936-973 n. Chr.) konnte das Kloster Weißenburg Grundbesitz in Ettlingen (damals: Etiningen) aufweisen. Weinberge, wie in einer späteren Güteraufzählung betont wurde. Diese Weinberge lagen damals noch in der Ebene, unterhalb des Berghangs. Erst mit Beginn des 16. Jahrhunderts begannen die Bürger Ettlingens den Berg zu roden (Rodberg, ursprüngliche Bezeichnung des Robbergs) und mit Reben zu bepflanzen. Eine Stadtansicht aus dem Jahre 1690, erstellt vor der Zerstörung der Stadt durch Ludwig den XIV, zeigt weite Rebfelder sowohl vor der Stadt als auch am Berghang.

Zwischen dieser Zeit und Anfang des 18. Jahrhunderts besaß der Weinbau in Ettlingen die größte Ausdehnung. Nachweislich bis zu 200 Fuder (heute 3.000 Hektoliter) wurden damals pro Jahr konsumiert. Aber durch zahlreiche Kriege litt die Weinbaupflege und sowohl die Erträge als auch die Qualität sanken beträchtlich. Im Jahre 1786 fand eine Begehung der Rebanlagen durch auswärtige Weinbausachverständige statt, die attestierten, daß die Rebanlagen in äußerst schlechtem Zustand seien und mit einem Mangel an Professionalität bewirtschaftet wurden. Auf dieses Gutachten hin hat man beschlossen, hochwertigere Rebsorten anzupflanzen, aber der generelle Niedergang ließ sich dadurch nicht mehr aufhalten. Ettlingen hatten den Anschluß an andere Weinbauregionen wie den Kraichgau oder die Ortenau verloren. Daß der Weinbau dennoch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein Bestand hatte, ist sicherlich der 1720 gegründeten Küferzunft und der Rebleutezunft, die 1830 erstmals mit einer geweihten Weinbaufahne in Erscheinung getreten ist, geschuldet.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Weinberge mehr und mehr von Hobby- bzw. Freizeit-Winzern bestellt, die ersten Grundstücke lagen brach. Neupflanzungen mit Edelreben wurden kaum noch durchgeführt. Dabei wäre die Lage am Robberg durchaus geeignet, einen guten Tropfen hervorzubringen. Doch die Generation der aktiven Rebleute war nach dem zweiten Weltkrieg überaltert und nachrückende Generationen hatten andere Interessen als in beschwerlicher Arbeit die Rebkulturen am Robberg zu verjüngen. Und so verschwand der Name Ettlingen in den 60-iger Jahren vollends aus den Verzeichnissen der Weinbaukommunen in Baden. Heute wird Wein nur noch von einer Hand voll Idealisten angebaut. Nicht mehr wegen des Ertrages mit kommerziellem Hintergrund, aber als außergewöhnliches Hobby und als Beitrag zur Bewahrung dieser alten Kultur am Hausberg von Ettlingen.