500 Jahre Weinbau am Robberg erlebbar gemacht

Traumwetter erwartete die Robbergfreunde am 9. Mai für die Durchführung der Veranstaltung „500 Jahre Weinbau und kulturhistorische Landschaft am Robberg“. Am zentralen Infostand am Wasserreservoir am Ende der Bismarckstraße sowie auf 3 weiteren, über den Robberg verteilten, Stationen konnten sich interessierte Besucher über die Geschichte des Weinbaus in Ettlingen, die Weinbergordnung aus dem Jahr 1508, Trockenmauerbau und über die letzten, verbliebenen Weinberge informieren.

Initialer Auslöser zur Durchführung einer solchen Veranstaltung war der ehemalige Türsturz des Weißen Häusles, den viele Jahrhunderte die Jahreszahl 1520 zierte (seit der letzten Sanierung die Jahreszahl 1987). Dies veranlasste die Robbergfreunde, etwas eingehender zu diesem Sachverhalt zu recherchieren. Vereinsmitglied Ulrich Deubel durchstöberte diverse Archive und stieß dabei auf die Weinbergordnung aus dem Jahr 1508 sowie weitere Details über die Rodung des Robbergs. Ziel der Veranstaltung war es, dieses erarbeitete Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und auch die Vergangenheit des Vereins – der Zusammenschluss der Rebleute Ettlingen – wieder aufleben zu lassen. Ein eigens erstellter Flyer begleitete die Besucher zusätzlich durch die Veranstaltung:
   Flyer 500 Jahre Weinbau   

In seiner Eröffnungsrede schilderte Tobi Börstler die Hintergründe, die zu dieser Veranstaltung führten und gab einen kurzen Überblick über die Historie von Ettlingen und zur Zugehörigkeit der Stadt zu unterschiedlichen Herrschergeschlechtern und Klöster. Anhand historischer Unterlagen der Lehensherren lässt sich der intensive Weinbau in Ettlingen belegen, der u.a. im Jahr 1830 zur Gründung des Vereins der Rebleute führte. Und dieser Verein wird heute als Robbergfreunde Ettlingen e.V. weitergeführt und strebt in 4 Jahren das 200-jährige Vereinsjubiläum an. Ausgestellte Grafiken und Aufnahmen verdeutlichten die Wandlung des Robbergs über die Jahrhunderte.

Weitere Details zur Weinbergordnung beleuchtete anschließend Ulrich Deubel. Um diese direkt erlebbar zu machen, hat er sie einmal in Originalschrift, einmal in historischer Übersetzung und einmal als neudeutsche Übersetzung in Plakatgröße ausgestellt. Zudem erläuterte er die Phasen der Rodung des Robbergs im 15. und 16. Jahrhundert sowie die erste Anpflanzung von Reben. Dass der Weinbau in Ettlingen allerdings schon bis in die Römerzeit zurückreicht, dokumentierte er anhand des Reliefs aus der Römerzeit, das bei Ausgrabungen in der Johannesgasse gefunden wurde. Herzlichen Dank an die Stadt Ettlingen für die Bereitstellung der Replik für unsere Veranstaltung.

An der ersten Station am Robberg umriss Tobi Börstler die Geschichte des Weißen Häusles vom Holzverschlag aus dem Jahr 1508, über den Aufbau eines Steinhauses im Jahr 1520 bis hin zu den beiden Komplettsanierungen 1725 und 1987. Aufstieg und Niedergang des Weinbaus am Robberg wurde ebenso dargelegt wie die Bedeutung historischer Volumenmaße wie Fuder, Ohm und Viertel in historischen Aufzeichnungen. Danach übernahm Berend Schlüter als Station 2 die Gruppe und demonstrierte anhand der vielzähligen Trockenmauern am Robberg die grundlegenden Konstruktionsprinzipien sowie deren praktischen Umsetzung – sowohl mit positiven als auch negativen Ausprägungen. Mit Inkrafttreten der Förderrichtlinien der Stadt Ettlingen zur Sanierung der Trockenmauern 2017 hat sich jedoch vieles zum Positiven gewendet. Eine offene, sanierungsbedürftige Mauerbaustelle ermöglichte einen Blick auf den Zustand hinter den Blend-Mauersteinen. Seine praktische Erfahrung im Mauerbau legte Berend Schlüter dann an einer sanierten Mauer auf seinem Grundstück dar, wo er auch noch einmal die theoretischen Grundlagen präzisierte. Abschluss des Infotages bildete Station 3, die Begehung des noch bewirtschafteten Weinbergs von Hobbywinzer Rolf Apell. Dabei wurde die beschwerliche Arbeit deutlich, mit der der Weinbau am Robberg betrieben wird. Dies hat sich in den letzten Jahrhunderten nicht gewandelt, da ein maschinelles Arbeiten so gut wie nicht möglich ist. Anhand der jungen Austriebe seiner Reben erläuterte Rolf Apell, worauf der Winzer jetzt schon achten muss, um das Weinjahr erfolgreich abschließen zu können. Als kleines Highlight der Begehung bot er zum Abschluss noch eine Weinprobe mit drei unterschiedlichen Rebsorten an, die hier auf seinem Weinberg angebaut werden. Bei kleinen Fachsimpeleien und einem Schluck Wein fand damit eine erfolgreiche und informative Veranstaltung ihren Ausklang.

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